„Wenn alle mit Kastanien spielen, ist es auch gut“


Firmenportrait von Jens Heisterkamp aus der Info3 Dezemberausgabe 2018 (www.info3-verlag.de)

"Mehr Spielen, weniger Zeug ist unsere Devise!“ Es gehe darum den Kindern zu helfen, ihre Sinne langsam aufzuwecken, um auf der Erde mutig anzukommen.

Jede Firma hat ihre Legende: Bill Gates gründete Microsoft einst in seiner Garage, Armin Steuernagel den „Waldorfshop“ in seinem Kinderzimmer. Im Jahr 2007 eröffnete der damals 16-jährige einen Online-Versand für alles, was in der Waldorfschule an Grundausstattung gebraucht wird. Aus wenigen Anfangsartikeln wurde bald eine breite Palette: zum Schuldbedarf mit Wachsmalkreiden und Eurythmieschuhen kamen kindgerechtes Spielzeug, Bastelbedarf und sogar ausgewählte Küchengeräte hinzu. Rund 1000 Artikel enthält das aktuelle Sortiment.

Die Zeiten des häuslichen Päckchen-Packens sind längst vorbei und die Auslieferung spielt sich in Kooperation mit dem Freiburger Öko-Versandhaus Waschbär ab. Mit dessen langjährigem Eigentümer Ernst Schütz ergab sich eine weitere Kooperation, und zwar in Sachen Rechtsform: Schütz war ebenso wie Steuernagel nicht mehr damit zufrieden, dass ihre Unternehmen zwar ökologisch und kulturell für große Ziele stehen, von der Rechtsseite her aber wie jedes andere kapitalistische Unternehmen gestrickt sind. Vor allem störte sie, dass ihre Firmen theoretisch als Privateigentum gehandelt und verkauft werden könnten – wie eine Ware. Auf der Suche nach Alternativen entstand die Lösung in der Form des „Verantwortungseigentums“. Sowohl Waschbär als auch Waldorfshop sind heute durch Kooperation mit der eigens zu diesem Zweck gegründeten Purpose-Stiftung (info3 berichtete) rechtlich so organisiert, dass ein Verkauf der Unternehmen zu eigenwirtschaftlichen Zwecken nicht mehr möglich ist. Stattdessen gehört das Unternehmen sich selbst, mit allen Vorteilen des Unternehmertums mit Ausnahme der Verkäuflichkeit in die eigene Tasche. Zusammen mit anderen Unternehmern und Rechtsexperten hat Armin Steuernagel zu diesem Thema zuletzt eine hochrangig besetzte Veranstaltung in Berlin organisiert. Die Arbeit im Purpose-Zusammenhang wurde schließlich so umfangreich, dass Steuernagel Unterstützung für die aktive Geschäftsführung suchte.

Vor knapp einem Jahr kam daher der Erlebnispädagoge und Unternehmer Jonas von der Gathen in die Geschäftsführung hinzu. Derzeit managen er und drei weitere MitarbeiterInnen das Unternehmen von verschiedenen Orten aus. Ein zentrales Büro gibt es nicht, die Auslieferung wird momentan noch von Waschbär in Freiburg übernommen. Arbeiten im dezentralen Team heißt: Telefonate, E-Mails und Videokonferenzen prägen die Zusammenarbeit – was nicht immer einfach ist. In der Zusammenarbeit experimentiert das Team zudem mit flachen Hierarchien. Selfmanagement könne aber auch überfordern: „Mutige Entscheidungen zu treffen und zu ihnen zu stehen, kann schon mal zur Gefühlsachterbahn werden“, räumt der junge Geschäftsführer ein. So hat der Waldorfshop kürzlich mit einer im Einzelhandel tiefsitzenden Gewohnheit Schluss gemacht und die „manipulativen“ gebrochenen Preise (die bekannten 95 oder 99 Cent) durch runde, ehrliche Preise ersetzt. Ein kleiner Schritt mit Symbolwirkung, den selbst viele grüne oder faire Unternehmen aus Angst vor Umsatzrückgängen scheuen. Auch bei der Einkommensgestaltung versuche man transparent vorzugehen: „Gemeinsam über die Höhe der Gehälter zu reden ist aber auch riskant, wenn man sich auf der menschlichen Ebene noch nicht genügend kennt“, gesteht von der Gathen.

Jonas von der Gathen

Jonas von der Gathen wurde 1983 in der Künstlersiedlung Weißenseifen in der Eifel geboren. Nach der Schule absolvierte er einen sozialen Friedensdienst bei den Masai in Tansania und war drei Jahre in Neuseeland beim Aufbau einer suchttherapeutischen Gemeinschaft tätig. Nach seiner Rückkehr nach Europa sammelte er Pflegeerfahrung in einem Heim für Menschen mit Autismus, erlernte die Bothmer-Gymnastik und machte eine Ausbildung in Erlebnispädagogik. 2017 gründete er mit Andrej Schindler eine Vermittlungsagentur für sinnorientierte Unternehmen www.svdg.org. Seit knapp einem Jahr arbeitet er als InterimsGeschäftsführer für Waldorfshop.

Erstberatung von Waldorfeltern

Mit etwa 1,5 Millionen Euro Umsatz im Jahr ist Waldorfshop verglichen mit Mitbewerbern ein kleineres Unternehmen, das seine Aufgabe aber immer bewusster erfüllen möchte. Visionäre Fragen wie „Was will das Wesen von Waldorfshop?“ werden auf regelmäßigen Klausurtreffen bewegt, für die sich das Team die nötige Zeit nimmt. Dabei sei klar geworden, wie stark der pädagogische Auftrag ihrer Firma sei, erzählt von der Gathen. Gerade für neue Eltern übernehme Waldorfshop oft eine Art Erstberatung: „Ah, das ist also die Waldorfwelt“, sei der Eindruck. Diesem Bedürfnis nach pädagogischer Inspiration wolle man stärker entgegenkommen. So wurde etwa der Youtube-Kanal „waldorfkind“ mit-initiert. Dort teilt eine junge Waldorferzieherin und Mama in kurzen Videos praktische Anregungen aus der Waldorfwelt: Vom Basteln eines Feenreigens, über das Lernen von Fingerspielen bis zur Bedeutung der Adventsspirale. „Wir wollen eine Brücke in die so phantasiereiche Waldorf-Lebenswelt bauen. Dass Eltern am Ende ein schönes Produkt kaufen, kann dann ein letzter Schritt sein“, so von der Gathen.

Eigentlich sei ein einfacher Holzstock ja schon das perfekte Waldorfspielzeug – denn der ist so universell, dass er sich in der kindlichen Phantasie in alles verwandeln kann: „Spielzeug soll anregen, um ins freie Spiel zu finden“, so von der Gathen, der selbst dreifacher Vater ist. „Mehr Spielen, weniger Zeug ist unsere Devise!“ Es gehe darum den Kindern zu helfen, ihre Sinne langsam aufzuwecken, um auf der Erde mutig anzukommen. „Und wenn die Menschen irgendwann kein Spielzeug mehr kaufen, weil alle mit Kastanien zufrieden sind und draußen spielen, ist es auch gut!“

Firmenportrait von Jens Heisterkamp aus der Info3 Dezemberausgabe 2018 - www.info3-verlag.de als PDF ansehen/downloaden

Fingerspiele, Aufräumlieder, Abendrituale

Auf ihrem Youtube-Kanal „waldorfkind“ gibt Hannah von der Gathen phantasievolle Anregungen rund um das Leben mit kleinen Kindern.

Hier finden Sie den Youtube-Kanal



Interview mit Armin Steuernagel

2014

Armin Steuernagel gründete 2007 den waldorfshop, weil er vielbeschäftigten Eltern helfen wollte, gute Waldorfprodukte zu finden. Er studierte Philosophie, Politik und Wirtschaft in Witten/Herdecke und Oxford und gründete eine weitere Firma "Mogli", für Lebensmittel, die Kindern Spaß machen, lecker und trotzdem gesund sind.

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Interview mit Heide Mende-Kurz

Dezember 2016

Heide Mende-Kurz ist Sprachgestalterin und Autorin von fünf Sprachbilderbüchern. Sie veranstaltet Aufführungen, hält Vorträge im In- und Ausland, leitet Kurse und gibt sprachtherapeutische Behandlungen in ihrer Wortwerkstatt Casa Lingua in Beuren/Schwäbische Alb.

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Interview mit Prof. Dr. Rainer Patzlaff

Prof. Dr. Rainer Patzlaff war über 25 Jahre Waldorflehrer für Deutsch und Geschichte, bevor er 2010 zum Professor an der Alanus Hochschule in Alfter bei Bonn berufen wurde und dort den neuen Bachelor-Studiengang „Kindheitspädagogik“ mit dem Schwerpunkt Waldorfpädagogik aufbaute. Zuvor gründete er das Institut für Pädagogik, Sinnes- und Medienökologie (IPSUM).

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Waldorf-Katalog

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