Interview mit Armin Steuernagel


Armin Steuernagel (geb. 1990) gründete 2007 den waldorfshop, weil er vielbeschäftigten Eltern helfen wollte, gute Waldorfprodukte zu finden. Er studierte Philosophie, Politik und Wirtschaft in Witten/Herdecke und Oxford und gründete eine weitere Firma "Mogli", für Lebensmittel, die Kindern Spaß machen, lecker und trotzdem gesund sind. Regelmäßig unterstützt der waldorfshop kulturelle und soziale Projekte. Aktuell engagiert sich Armin Steuernagel für MEHR DEMOKRATIE auf europäischer Ebene und ist Direktor von DemocraticEuropeNow.


2007 gründeten Sie den waldorfshop. Wie kam Ihnen die Idee, einen Versandhandel zu gründen?

Als Teenager war ich in verschiedenen Theatergruppen aktiv. Ständig benötigten wir Geld für die Ausstattung der Theaterstücke. Ich warb Spendengelder ein, doch irgendwann wollte ich einfach kein Bittsteller mehr sein. Da fasste ich den Entschluss, selbst Geld zu verdienen, um kulturelle Projekte zu unterstützen. Durch meine Ausbildung an einer Waldorfschule wusste ich, dass jeder Schüler und jede Schülerin während seiner/ihrer Schulzeit mindestens 12 Paar Eurythmieschuhe benötigt. Also beschloss ich, einen Versandhandel für Eurythmiebedarf zu gründen. Bei „ProEurythmie“ konnten unter anderem Eurythmieschuhe und Eurythmiekleider erworben werden.

Als Teenager bereits als Unternehmer zu arbeiten, ist doch im Allgemeinen recht ungewöhnlich. Warum haben Sie sich für eine Firmengründung entschieden?

Schon als kleines Kind wollte ich eine eigene Firma haben. Als 12-jähriger hatte ich dann mit Cousin und Cousine eine kleine Firma gegründet: "Arminor". Wir hatten recht professionell Pralinen hergestellt, die wir zu großen Stückzahlen in der Nachbarschaft verkauften. Auch hatten wir einen Bestellkatalog gestaltet, sogar schon anfänglich mit Computern. Eigentlich wollte ich schon immer wissen, wie Wirtschaft funktioniert. Zuhause lernte ich immer - meine Eltern sind Ärzte und haben viel über die Missstände des Gesundheitssystems gesprochen - dass nicht alles gut ist, so wie es ist. Und da ich auch immer hörte "Geld regiert die Welt", die Wirtschaft scheinbar einen großen Einfluss auf unsere Gesellschaft hat, war das Interesse für die Funktionsweise der Wirtschaft da.

Ist es in Deutschland überhaupt möglich, in so jungen Jahren eine eigene Firma zu gründen und zu führen?

Das war schon schwierig. Ich musste einen Sommeruni-Kurs in BWL absolvieren. Und das Vormundschaftsgericht prüfte meine Kompetenz. So erhielt ich dann nach einem Jahr die vorgezogene Geschäftsfähigkeit mit 16 Jahren zugesprochen.

Und dann begann die praktische Umsetzung...

Oh, ja. Das war damals turbulent. Meine Firma befand sich in meinem Kinderzimmer, das dann bald zu klein wurde. Also stellte ich kurzerhand mein Bett in ein Abstellzimmer und hatte so mehr Platz für die Warenregale. Am Anfang hatte ich ca. 2 Bestellungen pro Tag. Das steigerte sich aber sehr schnell.

Hatten Sie damals Hilfe?

Ich hatte Hilfe vor allem von meinem Bruder und von einem gemeinsamen Freund. Später haben weitere Schüler und manchmal auch Eltern geholfen.

Wie haben Sie Schule und Geschäft vereinbaren können?

Im Unterricht klingelte ab und zu mein Handy und ein Kunde rief an. Dann musste ich aus dem Unterricht gehen und den Kunden beraten. Das war natürlich nicht gerne gesehen und verstieß gegen die Schulordnung. Aber die Schule hat mir die nötige Freiheit gegeben, die ich damals brauchte, um meine Ideen zu verwirklichen. Den theoretischen Hintergrund der Entwicklung und der Ausgestaltung meines Geschäftes betrachtete ich dann näher in meiner 12 Klass-Jahresarbeit, die man in Waldorfschulen schreiben muss.

Ihre Firma wurde schnell größer, das Angebot wurde vielfältige. Da wurde Ihr Kinderzimmer bestimmt bald zu klein, oder?

Das stimmt. Zu Hause türmten sich mittlerweile in allen Zimmern und Fluren die Kisten und Kartons. Sogar vor der Praxis meiner Mutter, die im Erdgeschoß praktiziert. So wurde meine Mutter einmal mit den Worten angesprochen: „Können Sie denn nicht von ihrer Praxis allein leben, Frau Doktor ?“ Wir sind dann mit dem Shop ein paar Häuser weiter gezogen, wo uns ein netter Nachbar günstig Räume zur Verfügung stellte.

Wie haben Sie den Überblick bei der Fülle von Angeboten behalten?

2008 habe ich ein neues Shopsystem und ein neues Warenwirtschafts- und Bestellsystem eingeführt, das nun zweisprachig war. Außerdem konnte durch gezielte Werbung der Verkauf der Waren gesteigert werden. 2008 habe ich auf den Weihnachtsmärkten zusammen mit meinen Geschwistern und meinen Freunden auf den Webshop aufmerksam gemacht. Wir haben T-Shirts mit entsprechendem Aufdruck, sowie Stofftaschen und Flyer verteilt. Diese Multi-Channel-Idee hat sich auch bei uns als erfolgreich erwiesen.

Wann haben Sie ihre ersten Mitarbeiter eingestellt und was waren ihre Aufgaben?

Die erste Mitarbeiterin auf 400 Euro-Basis habe ich im Januar 2008 eingestellt. Es war die Mutter eines Mitschülers, die mit mir den ersten Katalog für das Sommergeschäft entwickelte. Als ich mich 2010 auf mein Abitur vorbereitet habe, stellte ich noch einen Projektmanager ein, der mich bei der Geschäftsleitung unterstützte.

Sie haben sich auch intensiv mit Unternehmungsführung auseinandergesetzt. Was ist Ihnen im Umgang mit Ihren Mitarbeitern wichtig?

Bei der Mitarbeiterführung setze ich auf die dialogische Führung, d.h. Mitarbeiter arbeiten nicht nach Anweisung, sondern höchstens nach Empfehlung und werden immer zum Selber Denken aufgefordert. Egal was man macht - es geht nicht darum, es den Vorgesetzten recht zu machen, sondern der Sache zu dienen. Deswegen hat jeder die Pflicht, sein Tun begründen zu können und niemand kann sich auf der Entscheidung eines Vorgesetzten ausruhen. So macht Arbeiten auch viel mehr Spaß!


Wir sind gespannt auf Ihre zukünftigen Projekte, Herr Steuernagel!

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