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Herbst

Am 22. September, zum Tag der Tag-und-Nachtgleiche beginnt der Herbst. Das Licht wird golden, der Altweibersommer ist wie ein letztes Aufbäumen der Wärme vor dem Winter. Die Luft ist kühler aber dennoch mild. Ein Gefühl der Klarheit entsteht. Der Geruch ist eigen, vielfältig aber nicht zart und mild wie immer Sommer, eher tiefgründig. All die Blumen mit den kleinen Blütenblättern glühen farbenprächtig.

Die Feste Michaeli und Ernte Dank sind die ersten, die wir im Herbst feiern. Im November folgt St. Martin, das Laternenfest und letztendlich liegt ein Großteil der Adventszeit auch im Herbst.

Wenn die Tage kühler und dunkler werden, gibt es fast nichts Schöneres, als von draussen ins Warme, Trockene zu kommen und sich bei einer Tasse warmen Tees oder Kakaos aufzuwärmen.

Tag-und-Nachtgleiche

Die Tag-und-Nachtgleiche ist ein besonderes Phänomen: Sie gilt unabhängig davon, wo man sich auf der Erde aufhält. Während am Äquator die Tage ganzjährig die gleiche Dauer haben wie die Nächte, nehmen die Unterschiede nördlich und südlich des Äquators in Richtung der Sonnenwenden zu. In den Sommermonaten sind die Tage länger als die Nächte, im Winter ist es andersherum. Am Tag der Tag-und-Nachtgleiche tauschen Nord- und Südhalbkugel dann ihre Unterschiede quasi aus. An diesem Tag sind Tag und Nacht  genau gleich lang, egal wo man sich auf der Erde befindet.

Mit dem Schwinden des Lichts und der Wärme ziehen sich auch die Lebenskräfte der Natur zurück. Im Oktober färben sich die Blätter der Bäume bunt, der Nebel hängt in Schwaden über Wiesen, Wäldern und Seen. Die letzten nun schon etwas säuerlichen Brombeeren können gepflückt werden, die Äpfel sind reif und fallen beinah von allein in die Erntekörbe. Die Kürbisse leuchten orange und die letzten Kartoffeln können geerntet und über dem Feuer in einer leckeren Erntedanksuppe zu einem Festessen werden. Und dann nehmen wir Abschied von der Fülle des Sommers. Es beginnt eine Zeit der inneren Einkehr und eine Suche nach dem inneren Licht.

Die Wesen der Natur

Auf dem Jahreszeitentisch tummeln sich die Zwerge. So wie wir uns nach der Lebensfreude im Sommer eher dem Inneren zuwenden können, so ziehen sich auch die Elementarwesen in die Erde zurück.

Rudolf Steiner schreibt dazu:

„Dieser Jahreslauf, den in früheren Zeiten der Mensch, weil eine Art mehr instinktiven Bewußtseins gewaltet hat, durch Festeszeiten feierte, hat noch eine andere Seite... Die Erde ist während des Winters mit ihren Elementargeistern, man kann sagen, vereint. Die Elementargeister ziehen sich hinein in den Schoß der Erde, wohnen da bei den sich vorbereitenden Pflanzenwurzeln und den andern Naturwesenheiten, die während des Winters im Schoße der Erde sind. Dann, wenn der Frühling kommt, atmet die Erde gewissermaßen dieses ihr elementarisches Wesen aus; die Elementargeister steigen wie aus einer Gruft heraus, steigen herauf in die Atmosphäre. Während sie im Winter die innere Gesetzmäßigkeit der Erde aufgenommen haben, bekommen sie immer mehr und mehr, wenn es gegen den Frühling zu geht, und namentlich wenn es dem Sommer zu geht, in ihrem Wesen und Weben jene Gesetzmäßigkeit, die ihnen von den Sternen des Kosmos und deren Bewegungen aufgedrängt wird. Und wenn die Hochsommerzeit da ist, da webt und lebt es draußen im Umkreise der Erde unter den Elementarwesen, die still und ruhig während des Winters unter der Schneedecke waren, da wallt und wirbelt es unter diesen Elementarwesen in denjenigen Bewegungen, in denjenigen gegenseitigen Beziehungen, die bestimmt sind durch die Gesetze der Planetenbewegungen, durch die Gesetze der Gestaltung der Fixsterne und so weiter. Und wenn der Herbst kommt, dann kommen gewissermaßen diese Elementarwesen wiederum gegen die Erde zurück. Dann nähern sie sich wieder der Erde, bekommen immer mehr und mehr auch wieder die Erdengesetze, um wiederum zurückzukehren, gewissermaßen von der Erde eingeatmet zu werden während der Winterzeit, wo sie wiederum still und ruhig im Schoße der Erde sein werden.“ (Rudolf Steiner, GA 229, S.11f)